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Sonntag, 7. Juli 2013

Hanf - eine Faser mit vielen Aspekten



Ich habe einige Tage gebraucht, um über die Sache mit dem 'Hanfworkshop' in der Hanffabrik zu schreiben.
Die Idee einheimische Fasern für die Handspinnerei zu nutzen ist ja  Anliegen in unserem Hobby und so bin ich also dabei gewesen, um zu sehen und zu hören, was sich da bietet.
Eine Vorab-Betriebsführung hat einigen Aufschluss gegeben, wie mit einheimischen Hanf, in der Uckermark angebaut, gearbeitet wird und was daraus gemacht werden kann. Einen schönen Eindruck von der Produktion hat Katja schon auf ihrem blog gegeben, schaut mal rein, es zeigt die Dinge sehr genau.
Der Hanf wird also bei der Ernte schon in drei Teile geschnitten. Für den bisherigen Zweck, zur Verwendung als Baustoff, sicher gut. Aber wir sind als Spinner an ganz anderen Parametern interessiert und so kann ich der allgemeinen Euphorie nicht folgen.
Eine Vernetzung von Produzenten und Verwendern zu schaffen ist auch eine positive Sache, ohne Zweifel, nur wenn dadurch Qualitätsansprüche zurückgeschraubt werden müssen, nein Danke. Die mindere Qualität ist zurück zu führen auf EU Vorschriften, die die Wasserröste verbieten und die Tauröste bedingt eben andere Arbeitsschritte.
So wie man aus kurzen unterschiedlichen Wollfasern kein Kammgarn herstellen kann, ist es doch aus geschnittenen Pflanzenfasern, die nicht restlos von anhaftenden Partikeln (Mark, Holz, Staub) gesäubert werden können, auch nicht möglich, ein glattes Garn herzustellen. Da nützen Bemühungen durch kardieren auch nicht, das Gewirr der Fasern bleibt , wenn auch gelockert, erhalten. Ich habe ein Bild mit den zur Verfügung gestellten Fasern und anderen aus früherer Produktion und aus anderen Ländern gemacht. Auf dem unteren Bild sind die unterschiedlichen Feinheiten zu erkennen, es spricht für sich glaube ich.







Das obere ist Uckermärker Hanf, links daneben ein Zopf  'italienischer Goldhanf' (dessen Produktionsstandort unbekannt ist) und darunter eine kleine Menge feiner asiatischer Hanf, der als Zug für Handspinner im Fachhandel angeboten wird.
Ich habe den Uckermärker 'Bauhanf' versponnen - nass und auch trocken. Das Garn ähnelt einem 'Stacheldraht'. Ich werde daraus einen Peelinghandschuh und einen Topfkratzer fertigen. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis sich die zweite Eigenschaft des Hanf zeigt, denn er soll sehr gut bleichen, was der Ansehnlichkeit ja nur zuträglich wäre. Die Befürchtung, daß beim spinnen die Hände weh tun würden kann ich nicht bestätigen, aber das ist ja auch beim Flachs spinnen nicht so.
Es bleibt also spannend was andere mit diesem Material anfangen, wie es z. B. gewebt wirkt - taugt es nur als Schuhabstreifer oder gar zu einer Tischdekoration?

Kommentare:

  1. liebes Wollass!!
    ich teile deine Auffassung..wir brauchen bessere qualität..
    im Baumarkt fand ich wunderbaren Langhanf ,einfach glatt und fein zu verspinnen.
    ich werde es demnächst beim sommerlernen zeigen , aber draußen spinnen,,denn den geruch mag ich nicht..also bitte nicht so ein Stacheldraht als guten Hanf uns anbieten..wiebke

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  2. das ist ja auch wieder aergerlich. da baut man so eine pflanze an - und macht sie dann durch unwissenheit wieder kaputt? ich muss mal sehen, welchen hanf ich hier habe - der liegt schon eine gute weile hier und ich komm nicht zum verspinnen...
    viele gruesse von der gruenen (aber hanffreien) insel

    Bettina

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  3. Hallo Anita, ich stimme Dir zu. Aber hier bei dem Workshop wurden verschiedene Aspekte durcheinander geworfen. Einmal kommerzielle und Hobby- Sachen. Hier muß man schon unterscheiden. Für uns Hobbyspinner ist diese Verarbeitungsstrecke untauglich, spinnbare Fasern zu erhalten. Ab gesehen war da auch keine Expertin in Sachen Hanf verspinnen vor Ort gewesen wie angekündigt. Es ging rein ums Geschäft von Herrn V. Andererseits fand ich es schon spannend das Interesse um diese Faser. Diese in Deutschland wieder so zu vermarkten im textilen Bereich kann nicht über die Schiene Hobbyspinner funktionieren. Da verdient Herr Novotny nichts. Selbst im aufarbeitenden Bereich der Faser wird er nur mit hohen Investitionen etwas erreichen können. Dazu kommt das die landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau fehlen werden um solche Produktionsstrecken rentabel arbeiten zu lassen.
    trotzdem bewundere ich den Atem und Mut von Herrn Novotny. Schönen Dank für Deine Gedanken dazu.
    Einen schönen Sonntag, Katja

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